studiVZ: Kollektives Versagen im Bereich Krisen-PR
Samstag 25. November 2006 von Michael Zander
Bei studiVZ – wer es nicht kennt: so was wie openBC XING für Studenten – brennt der Baum. Politische Entgleisungen, moralische Verfehlungen, Probleme mit dem Datenschutz,… Es würde den Rahmen sprengen, den Skandal in ganzer Breite hier aufzurollen. Das ist auch nicht die Aufgabe dieses Blogs. Wer sich näher informieren möchte, kann hier mal anfangen zu stöbern:
Blogbar oder Heise
Interessant an der ganzen Geschichte finde ich die Art und Weise, wie von den Verursachern und Verantwortlichen damit umgegangen wird. Okay, die jungen Gründer sind unerfahren und offensichtlich maßlos überfordert. Von jemandem, der öffentlich auf den Putz haut, den Laden schon bald für einen hohen Millionenbetrag abstoßen zu können, hätte ich allerdings ein wenig mehr Professionalität erwartet. Zumindest erst mal den Schnabel halten und professionelle Hilfe holen. Ja, studiVZ, es gibt Menschen, die mit Krisenmanagement zu Recht gutes Geld verdienen. Und die haben schon ganz andere Dinger wieder hingekriegt.
So weit, so schlecht. Das haben die MöchtegernJunior-Gründer nicht hingekriegt. Mit drin hängen aber einige Firmen und Personen, die über viele Jahre seriös und erfolgreich in der Wirtschaft tätig sind. Sie sind – wie man so schön neudeutsch sagt – bei studiVZ investiert, weil sie darin ein Startup sahen, mit dem sich schnell viel Geld verdienen lässt. Was die Investoren jetzt tun, ist aber weder seriös noch professionell. Sie tun nämlich nichts. Zumindest nichts, was öffentlich spürbar dazu angetan wäre, Schäden zu beheben oder Imageverluste abzuwenden. Dabei sind die Möglichkeiten, kleine Jungs wieder auf den Boden zu bringen, doch so vielfältig: Taschengeldentzug, Hausarrest, Playstation-Verbot,… Zur Not auch mal ne Ohrfeige, hat uns doch auch nicht geschadet, oder?
Dieser Beitrag wurde erstellt am Samstag 25. November 2006 um 12:51 und abgelegt unter aktuell, praxis. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

Samstag 25. November 2006 um 13:35
“Zur Not auch mal ne Ohrfeige, hat uns doch auch nicht geschadet, oder?”
Gewalt ist keine Lösung, obwohl in diesem Fall kleine Schläge auf den Hinterkopf durchaus das Denkvermögen erhöhen könnten…
Samstag 25. November 2006 um 14:56
That’s it!
Mal sehen, wie lange sich die Investoren das noch anschauen!
Ich befürchte indes, dass sich das Aussitzen lohnt …
Sonntag 26. November 2006 um 18:26
Wer keine Lust hat, die oben zitierten Links zu durchsurfen, oder lieber zurückgelehnt ein wenig lauschen möchte, findet bei Trackback ein Podcast, in dem das Thema studiVZ ausgiebig behandelt wird. Da kommen unter anderem auch Don Alphonso und ein Sprecher eines Investors zu Wort.
Mittwoch 3. Januar 2007 um 15:16
[...] Am 25. November hatten wir hier, das kollektive Versagen der Investoren bei StudiVZ bemängelt. Jetzt meldet Spiegel online den Verkauf des Studenten-Portals. Satte “mehr als 100 Millionen Euro” hat Holtzbrinck auf den virtuellen Tisch geblättert. Ein Großteil davon fließt zurück ins eigene Säckel, schließlich hat man schon im Sommer mit einem siebenstelligen Betrag eine Minderheitsbeteiligung erworben. Und anschließend mit Minderheitsnichtstun ganz erheblich zum Imgae- und Wertverlust beigetragen. Damit sank natürlich der Wert und damit die Chancen des Verkaufs an … ach lassen wir das. Wenn man den ersten Berichten Glauben schenken kann, soll StudiVZ in Zukunft kräftige Werbeerlöse bringen. Von Verkauf ist keine Rede mehr. Am skurilsten erscheint mir der Nachtrag im Spiegel-Artikel. Die wollen ernsthaft mit der kompletten Mannschaft (inklusive der Gründungsversager!) weitermachen? Und das, obwohl der Kauf zum jetzigen Zeitpunkt die einzigartige Chance geboten hätte, in der Skandalbude mal so richtig aufzuräumen. Ich glaube nicht, dass es so kommen wird… [...]