Perpetuum Mobile der Adressgenerierung?

Donnerstag 7. Dezember 2006 von Michael Zander

Oder “Einsteigen, zusteigen, die nächste Fahrt geht wieder… wohin eigentlich?” Vielleicht doch besser “Gewinnmaximierung beim Sammeln von Adressen!” Egal. Zugegeben, die Idee ist echt gut finanziell vielleicht Erfolg versprechend: Man lobe einen Preis aus, hier konkret für den besten Newsletter. Dann schreibe man möglichst viele Newsletter-Versender an, erkläre sie für nominiert und bitte sie, ihre Leser zu motivieren, möglichst für “ihren” Newsletter zu stimmen.
Die Abstimmung wird dann noch in ein attraktives Gewinnspiel gepackt und mit ein paar namhaften Partnern garniert. Der Abstimmungsprozess, der erst nach umfangreicher Registrierung gestartet wird, führt durch zahlreiche zehn Kategorien, geschickt unterbrochen von Registrierungsmöglichkeiten für Newsletter, Probeabos und ähnliches. Wer das Ziel des Abstimmungsmarathons erreicht hat, wird mit einer Bestätigungsmail mit einem Link auf ein Dankeschön-Paket belohnt. Da gibt es dann kostenlose Software und wieder Testangebote und Gutscheine externer Anbieter.
Ich habe mal nachgezählt. Im Laufe der Abstimmung gibt es 8 Newsletteranmeldemöglichkeiten, 22 Coreg-Angebote und eine Chance auf ein Probe-Abo. Alles Angebote, die ansonsten über Affiliate-Netzwerke oder andere Wege vergütet werden. Ähnlich sieht das Dankes-Paket aus. Die Links auf die Angebote lassen auf mehr oder weniger satte Provisionen schließen.
Ich habe nicht nachgerechnet, aber ich bin mir sicher, dass die Veranstalter bei durchschnittlichem Klickverhalten der User einen deutlich zweistelligen Betrag an jedem Teilnehmer verdienen. Und die werden auch noch scharenweise – ohne dass die Veranstalter dafür ihren Werbe-Etat belasten müssen – von den auf eine Auszeichnung hoffenden Newsletter-Versendern zur Abstimmung geschickt. Und damit nicht genug. Die Präsentation der Partner und die Patenschaft für einzelne Rubriken lassen darauf schließen, dass auch an dieser Stelle noch die Hand aufgehalten wird. Da dürfte es den Veranstaltern nicht schwer fallen, die in Aussicht stehende Trophäe im Rahmen der CeBit zu verleihen und ein paar Gewinnspielpreise zu stiften.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Modell aufgeht. Webseitenbetreiber und Newsletterversender lassen sich ungern vor einen Karren spannen, um für andere Umsätze zu generieren, die sie selbst machen könnten – ehrlich, offen und mit zufriedenen Nutzern. Und auch die User sind kritischer geworden. Sie geben gerne ihre Daten ab, aber bewusst, kritisch und sehr gezielt. Möglichst breite Datenweitergabe mit möglichst wenig Aufwand ist da nicht gefragt.

Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 7. Dezember 2006 um 21:21 und abgelegt unter aktuell, praxis. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

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