Stau auf neuen Vertriebswegen
Dienstag 12. Dezember 2006 von Michael Zander
Dass Tchibo schon lange nur noch sehr wenig mit Kaffee zu tun hat, dürfte hinlänglich bekannt sein. Fast täglich wird das Programm breiter, von der Spanne her ist es wohl nur noch von eBay zu überbieten. Im Hintergrund werkeln wahrscheinlich ganze Abteilungen, schnüren Pakete und dealen Kooperationen aus. Eine solche sind sie jetzt mit Borussia Dortmund eingegangen. Der krisengeschüttelte Bundesligist sah sich zum Handeln gezwungen. Das größte Stadion der Bundesliga füllte sich früher fast von alleine, oft mussten sogar viele draussen bleiben. Doch mit ausbleibendem Erfolg – gerade im heimischen Stadion – blieben auch die Zuschauer fern. Was liegt da näher, als eine Ehe mit dem Kaffee-Röster?
Herausgekommen ist ein Paket, Tickets alleine waren wohl nicht interessant genug. Für 99 Euro, bei Topspielen darf es auch etwas mehr sein, gibt es eine Übernachtung im 4-Sterne-Hotel (inkl. Frühstück) und eine Eintrittskarte. Als Gimmick lockt eine liebevoll “Dortmunder Rosenkranz” getaufte Bratwurtschnecke mit Bratkartoffeln. Ob es die im Hotel, im Stadion oder als Lunchpaket gibt, wird nicht verraten.
Der BVB hofft auf regen Zulauf, Tchibo sieht das als Test für einen größeren Einstieg ins Ticketgeschäft.
Nun ja, für das erste Spiel sind 80 Karten über den virtuellen Tresen gegangen. Für die Kicker eine Steigerung der Stadionauslastung um 0,001 %, für Tchibo wohl nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein.
Vielleicht hätte Tchibo den Test mit einem Verein machen sollen, für den sich Karten auch ohne Bratwurstschnecke verkaufen lassen? Oder wäre der BVB besser beraten gewesen, sich einen Partner zu suchen, der Tickets nicht in Hotels verpackt? Fragen über Frage, auf jeden Fall hakt irgend etwas in dieser innovativen Vertriebspartnerschaft…
Danke an Trainer Baade für die Anregung.
Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 12. Dezember 2006 um 19:48 und abgelegt unter aktuell, praxis. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

Dienstag 12. Dezember 2006 um 21:12
Ich sehe es geradezu vor mir, mit welchem Vergnügen Du fieser Schalker diese Zeilen getippert hast.
Ganz ehrlich glaube ich aber nicht, dass die vermeintlich geringe Zahl von verkauften Tchibotickets am Zeckenverein BVB liegt. Es handelt sich dabei ja um ein Reiseangebot des Kaffeerösters, und mal ehrlich Fußball hin oder her, wer will denn nach Dortmund, Gelsenkirchen oder Bochum reisen? Es ist ein Imageproblem des Ruhrpotts. Wahrscheinlich würden Reisen zu anderen Sche***vereinen in vermeintlich schönerer Gegend, beispielsweise Hertha, HSV und leider sogar die Bayern, besser laufen.
Montag 18. Dezember 2006 um 20:53
Das mit dem fiesen Schalker ignorier ich mal. Natürlich ist das als Reiseangebot deklariert. Wahrgenommen wird es aber anders. Wir sind doch alle schon mal im Stadion gewesen (und mehr oder weniger zufrieden nach Hause gegangen). Da geht man zwei Stunden vorher ins Stadion. Nach dem Spiel noch ein Bier im Stadion, dann irgendwo lecker Abendessen und noch einen Absacker. Da bleibt bei einer Übernachtung doch gar keine Zeit für touristische Aktivitäten, man ist froh ein Bett in der Nähe zu haben. Selbst ohne weite Anfahrtswege kann so ein Fußballerlebnis doch mal ganz interessant sein.
Oder man verzichtet auf das Bett. Selbst dann können solche Tickets preislich attraktiv sein. Zumindest bei gefragten Spielen im Vergleich zu eBay oder Schwarzmarkt.
Also, ich überlege ernsthaft, für den vorletzten Spieltag zuzuschlagen. Wenn alles nach Plan läuft, können die “fiesen Schalker” da die Schale klarmachen. Dann pfeif ich auf das Bett und zieh nach ausgiebiger Feier in Feindesland mit Tausenden über die B1 nach Gelsenkirchen…
Mittwoch 27. Dezember 2006 um 06:05
Nett ist auch die Aussage unter dem hier angegeben Link, dass der Termin vom 16.12.06 vom DFB noch nicht bestätigt sei. Nee klar…