Dienstag 30. Oktober 2007 von Michael Zander
Zeitungsverlage und das Internet - irgendwie passte das nie so recht zusammen. Mehr als einen langweiligen Abklatsch der Printausgaben gibt es nicht zu sehen. Wohl getrieben von der Angst, die eigene Existenzberechtigung in Frage zu stellen, reduziert man die Online-Aktivitäten auf das Nötigste und ignoriert konsequent die aktuellen Trends.
Vor über einem Jahr entschied die WAZ Mediengruppe als Deutschlands mächtigster Regionalzeitungsverlag den Ausstieg aus der Internet-Ignoranz. Und wie es sich für ein großes Unternehmen gehört, wollte man klotzen, nicht kleckern. Für viele Beobachter war das Kapitel damit wohl schon erledigt und zum Scheitern verurteilt. Ein Groß-Konzern auf innovativen Web-2.0-Wegen kann sich nur in selbst angelegten Fesseln verfangen und bestenfalls ein gepimptes 1.0-Angebot präsentieren. So stand es zu befürchten.
Als mit Katharina Borchert eine der prominentesten Vetreterinnen der deutschen Blogger-Szene (Lyssas Lounge) als neue Chefin präsentierte, horchten die ersten auf. Sollte da doch etwas Innovatives und völlig Neues entstehen?
Machen wir es kurz: Seit gestern ist das Vorzeigeprojekt unter dem Namen DerWesten online und überzeugt auf ganzer Linie.

Voll zweinullig präsentieren sich die Regionalzeitungen in einem hellen und aufgeräumten Design. Blogs zu verschiedensten Themen, eine Community, Kommentarfunktionen zu den Artikeln, Interaktion und persönliche Einstellungen - es fehlt nichts, was der moderne Surfer erwartet.
Wenn Zeitungsverleger jemals Angst davor haben mussten, durch den eigenen Internet-Auftritt Print-Anteile einzubüßen, dann mit einem solchen Angebot. Man kann aber sicher sein, dass die Kombination funktionieren wird, auch wenn sich vielleicht Anteile verschieben werden.
So wünsche ich mir eine Zeitung im Netz. Bleibt nur, viel Glück und einen langen Atem zu wünschen.
Kategorie: aktuell, praxis, trends |
1 Kommentar »
Donnerstag 25. Oktober 2007 von Michael Zander
Der Aufwärtstrend der so genannten Social Networks hat seinen Höhepunkt offensichtlich noch nicht erreicht. Aktueller Beleg ist der Deal, den Bill Gates und seine Microsofts gestern bekannt gaben.
Für sage und schreibe 240 Millionen Dollar beteiligt man sich an Facebook. Dafür gibt es einen Anteil von 1,6 %. Der Gesamtwert des Netzwerks ist damit bei etwa 15 Milliarden anzusetzen.
Ich finde, ein unglaublicher Betrag für - zugegeben viele - User und PIs. Den Beweis, dass man das auch irgendwie wertangemessen monetarisieren kann, ist Facebook - wie viele andere Web-2.0-Anbieter auch - bisher schuldig geblieben. Ich will nicht behaupten, dass es nicht geht, aber der Aufwand wird enorm sein müssen. Und dafür soll ein Großteil der Finanzspritze aus Redmond wohl erst einmal in die Verdoppelung der Mitarbeiterzahl fließen.
Kategorie: aktuell, trends |
Keine Kommentare »
Mittwoch 17. Oktober 2007 von Martina Meergans
Schleichend, aber beständig kommt der Medienwandel über uns - so Der Spiegel und berichtet über die neue Nutzungsstudie “Allensbacher Computer- und Technik-Analyse”. Diese belegt in Zahlen, was “wir” schon lange gefühlt haben: Klassische Medien wie Zeitung und TV werden vom Internet überholt. Und diese Tatsache verstärkt sich, je jünger die befragten Personen sind.
Auch die meisten “klassischen” Agenturen haben reagiert - so gut wie jede verfügt heute über eine spezialisierte Abteilung für die Online-Medien, in vielen Fällen sogar über Sub-Spezialisierungen beispielsweise im Bereich Suchmaschinen- und Affiliate-Marketing. Wurden Online-Etas vor wenigen Jahren noch milde belächelt, fügen sie sich nun ebenso in den Alltag des Marketings ein wie das Internet in das Leben der Zielgruppen.
Schade: Mit dem “neuen Boom” in der Online-Marketing-Szene kommen leider auch immer mehr “Schmierwürste” (wie Robert es in meinem Blog zu sagen pflegt) wieder hervorgekrochen. Kaum zu übersehen ist dies im von Michael verlinkten Video.
Kategorie: aktuell, trends |
Keine Kommentare »
Dienstag 16. Oktober 2007 von Michael Zander
Firmen-Blogs sind eigentlich nichts Neues. Die wirklich großen Unternehmen haben sich bisher allerdings eher zurückgehalten. Eine Vorreiterrolle übernimmt jetzt das lange angekündigte und heute gestartete Daimler-Blog.

OK, dass man sich offensichtlich nicht einig ist, ob es nun der oder das Blog heißen muss, ist sicher eine zu vernachlässigende Kleinigkeit. Enttäuscht bin ich aber vom Umfang. Ich unterstelle mal, dass eine Vorauswahl der vorgesehenen Autoren lange im Vorfeld stattgefunden hat. Da hätte ich erwartet, dass diese schon zum Start ein paar Beiträge einstellen, die richtig Lust auf Mehr machen.
In der Blogroll gibt man sich bei Daimlers freizügig und verlinkt ganz brav Projekte der Mitbewerber. Ob man diese Freizügigkeit auch bei Kommentaren und dem freien Austausch mit der Leserschaft an den Tag legen wird, wage ich zu bezweifeln. Diese Zweifel werden genährt durch die Kommentar-Richtlinien, die mir in dieser Form noch nicht begegnet sind. Zumindest sind derartige Restriktionen in der Blogosphäre alles andere als beliebt.
Richtig neugierig machen mich die “Hinweise über vorausschauende Aussagen”, die sich in den Rechtlichen Hinweisen befinden. Braucht man solche Formulierungen für einen Blick in die Glaskugel oder ein paar Phantastereien der Chefetage eines Autokonzerns? Is doch Blog, Mann!
Genug der Meckerei. Ich finde es auf jeden Fall gut, dass ein solcher Konzern diesen Schritt wagt. Ich hoffe, dass sie es schaffen, sich nicht in Regelungen und Ängsten verheddern und vor allem viele Nachahmer finden werden.
Kategorie: aktuell, praxis, trends |
2 Kommentare »
Donnerstag 11. Oktober 2007 von Michael Zander
Bernd Kreutz, der Erfinder des gelben Stroms , hat seine Erfahrungen seinerzeit unter dem Titel “Also ich glaube, Strom ist gelb - Über die Kunst, Konzerne Farbe bekennen zu lassen” zu Papier gebracht.
Das Buch war wohl ein ziemlicher Erfolg, ich kannte es ehrlich gesagt bisher nicht. Nach zwei Jahren war es ausverkauft und nur noch im Antiquariat zu bekommen. Und genau dort hat der Autor jetzt mal nachgeschaut, was es denn kosten soll. Darüber überrascht stellt er es jetzt der interessierten Netzgemeinde kostenlos zum Download zur Verfügung. Ich werde mal einen Blick reinwerfen …
Kategorie: aktuell, praxis |
Keine Kommentare »