Affiliate-Marketing in der Krise?
Dienstag 20. Mai 2008 von Michael Zander
Eben bei den Internet Marketing News von Jojo entdeckt, ist irgendwie an mir vorbei gegangen: Spiegel online “enthüllte” vor 10 Tagen einen vermeintlichen Skandal und legt heute noch mal nach:
- So kommt Sparkassen-Werbung auf rechtswidrige Pornoseiten
- Firmen bekommen Werbebetrug auf Porno-Portalen nicht unter Kontrolle
Auf den ersten Blick muss man sagen: Die Artikel sind sauber recherchiert, liefern alle wichtigen Informationen und beleuchten verschiedene Aspekte des offensichtlichen Problems. Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack. Die gesamte Affiliate-Branche erscheint plötzlich als trüber Sumpf, keiner der Beteiligten scheint in der Lage, die Sache transparenter zu machen oder die scheinbar erforderlichen Kontrollmechanismen zu installieren. Zieht man ein Fazit, könnte man vergessen, dass …
- … die Täter vorsätzlich und mit hoher krimineller Energie agieren.
- … diese über ausländische Server und zum Teil auch ausländische Firmen agieren, die nur schwer greifbar sind.
- … nur ein ganz geringer Teil der Affiliates diese Praktiken anwendet.
- … Affiliate-Marketing eine für beide Seiten sehr attraktive, interessante und lukrative Vertriebsform darstellt.
- … die betroffenen Firmen kaum Möglichkeiten haben, die schwarzen Schafe zu entdecken.
- … es wohl keinen Wirtschaftsbereich gibt, in dem nicht Kriminelle immer neue Techniken entwickeln, um Straftaten zu begehen.
Die betroffenen Firmen sehe ich als schwächstes Glied in der Kette. Von den Betrügern ist keine Unterstützung zu erwarten. Lediglich die Affiliate-Netzwerke stellen sich aus meiner Sicht ein wenig schwach dar. Mit Ermahnungen und dem erhobenen Zeigefinger ist es nicht getan. Drastische Konventionalstrafen, Betrugsanzeigen und vor allem technische Kontrollsysteme sind erforderlich, um den guten Ruf von Affiliates und Merchants zu erhalten.
Das Verhalten der in den Artikeln zitierten Gerichte und die unrühmliche Diskussion um Mitstörerhaftung in solchen Fällen ist ein neues Thema. Dazu demnächst mehr.
Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 20. Mai 2008 um 19:14 und abgelegt unter aktuell, praxis. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

Mittwoch 21. Mai 2008 um 16:35
Ich weisz gar nicht, was dieses Riesengeheule soll, die Kunden, die eine Sparkassenwerbung sehen, die vor einer pr0no-site angezeigt wird, werden sich wohl kaum denekn, die Sparkasse habe dies veranlaßt um an den Konsumenten zu verdienen, oder kann sich jemand an Saetze wie: “Dieser Schulmaedchenreport wurde Ihnen praesentiert von der LBS!” erinnern?
Die Kunden, die nicht merken, daß Ihnen der Inhalt(des BHs) nicht von der Sparkasse geboten wird, will man eh nicht haben.
Freitag 23. Mai 2008 um 16:01
@Manmanman: Es geht hier ja nicht nur um den guten Ruf der werbenden Firmen, obwohl ich bereits hier gut nachvollziehen kann, dass sich siese Firmen in einem bestimmten Umfeld nicht wiederfinden möchten. Im ersten Spiegel-Artikel (den zweiten habe ich noch nicht gelesen) wird es zwar erst ganz zuletzt kurz angesprochen, doch der rechtliche Aspekt ist hier besonders wichtig: Eine Firma, die auf einer illegalen Webseite Werbung schaltet, egal ob wissentlich oder nicht, tritt als Mitstörer auf und kann dafür abgemahnt werden. Bei derzeitiger Praxis ist es den Unternehmen aber gar nicht möglich dies zu verhindern.
Wenn Zwischenhändler wie die im Artikel genannten Layer von den PPs ausgeschlossen würden, wäre das sicherlich kein großes Problem (zumindest für mich), doch sehr ärgerlich wäre es wenn die PPs wieder stärker auf die Referrer achten würden. Dann müsste man plötzlich wieder wirklich jede Domain bei den PPs anmelden und aufgrund fehlerhafter Referrer-Prüfungen würden wohl auch die Umsätze zurück gehen - an die These von Herrn Bahr “Wenn sich die Rechtsauffassung durchsetzt, dass Werbende als Mitstörer für jugendgefährdende oder urheberrechtswidrige Inhalte haften, könnte die Finanzierungsmöglichkeit über Online-Werbung verschwinden.” möchte ich dabei gar nicht denken…
Freitag 23. Mai 2008 um 16:11
BTW: Welchem Netzwerk hat Jamba aufgrund dieser Vorkommnisse eigentlich gekündigt?
Dienstag 15. Juli 2008 um 11:56
Also erstmal kann ich Manmanman absolut zustimmen.
Außerdem gibt es diese Werbung schon immer. Die Sparkassen-Filialen wenden sich an den Layer-Anbieter, schalten sozusagen Werbung, und andere Firmen wenden sich halt an die Layer-Anbieter und lassen sich für die Werbung bezahlen. Das war schon immer so, und wird auch immer so bleiben. Mir ist nicht bekannt, das eine werbende Firma sich zb. bei Layer-Werbung raussuchen kann, auf welchen Seiten die eigene Werbung angezeigt werden darf, und auf welcher nicht. Warum da ausgerechnet jetzt im Sommerloch wieder so ein Trubel darum gemacht wird, kann ich absolut nicht verstehen. Da waren wahrscheinlich keine dümmeren News im Umlauf oder so…
Jens
Montag 1. September 2008 um 18:32
Ich ahbe es schon oft versucht. mir hat es allerdings nie wirklich was gebracht.