Freitag 19. Dezember 2008 von Michael Zander
Irgendwann – es muss wirklich lange her sein – habe ich mich von meinem Desktop-PC verabschiedet. Irgendwas mit 486 stand drauf, im Laden gab es so etwas schon lange nicht mehr. Damals habe ich noch studiert, was lag da näher als der Einstieg in die moderne Welt des mobilen Computerns? Mehr als eine gebrauchte Kiste vom PC-Dealer an der Ecke war allerdings nicht drin. Immerhin stand P133 drauf – ein Quantensprung im Vergleich zu seinem Vorgänger.
Jahrelang hat der Kleine mich treu begleitet. Gemeinsam trotzten wir der rasanten Entwicklung seiner Nachfolger. Nicht rasend schnell, aber man ist ja bescheiden. Ein paar Blogs, Internet, hier und da ein Affiliate-Programm oder ein kleiner AdSense-Code – das geht alles auch mit Windows 95 und dem IE 4punktirgendwas.
Aber es kam wie es kommen musste. 2008 sollte kein gutes Jahr in unserer Beziehung werden. Irgendwann nach Ostern verabschiedeten sich die ersten Tasten. Erst reagierten Sie nur noch auf den dritten Anschlag, dann zerbröselten sie beim Versuch, sie einer gründlichen Säuberung zu unterziehen.

Aber so leicht ließen wir uns nicht aus der Ruhe bringen. Irgendwo auf dem Dachboden verstaubte noch die alte Desktop-Tastatur, kurzerhand wieder in Betrieb genommenwurde. Der Schreibkomfort hat sich dadurch sogar verbessert. Leider passt der Kleine seitdem nicht mehr in die Notebook-Tasche, die kurzerhand einer Notlösung weichen musste. Natürlich ein Kompromiss, aber es ging. Im Urlaub war diese nahezu wasserdichte Lösung sogar sehr angenehm.
Irgendwie hat es mir der Kleine aber wohl doch übel genommen. Vielleicht schrie er aber auch nur nach seinem wohl verdienten Ruhestand. Auf jeden Fall zeigte der Akku unmittelbar nach dem Urlaub erste Anzeichen von Ermüdung. Die Zeiten zwischen zwei Steckdosenaufenthalten reduzierten sich im Laufe einer Woche von 90 auf unter 10 Minuten. Dann reichte es nicht mal mehr zum Booten. Auch zum Betrieb mit Netzteil ließ er sich nicht bewegen.
Während mein kleiner Helfer unsere Beziehung wohl endgültig aufgegeben hatte, war ich zu diesem Schritt noch nicht bereit. Für den naheliegenden Versuch einer einfachen Neubestellung eines Akkus ließ ich mich von einer Supportmitarbeiterin, die wahrscheinlich meine Tochter sein könnte, gnadenlos auslachen. Noch während sie was von „Firmenmuseum“ erzählte, legte ich auf und versuchte mein Glück bei eBay. Pustekuchen, zwei Modelle mit defektem Akku hätte ich meinem kleinen Rechenknecht zur Seite stellen können. Aber Gesellschaft hatte er ob seines störrischen Verhaltens nun wirklich nicht verdient.
Kurz vor der Aufgabe meldete sich der Bastler in mir. Nun ja, zumindest hatte ich als Kind mal den einen oder anderen Kosmos-Elektronik-Kasten. Eine neue Energieversorgung musste her. Unabhängigkeit vom Stromnetz war natürlich die Voraussetzung. Wofür hat man denn ein Notebook? Außerdem arbeite ich recht ländlich, wo auch schon mal der Strom für ein paar Stunden ausfällt.
Tatsächlich war es gar nicht so kompliziert. Zwei Stunden, einen Besuch beim Dynamo-Dealer meines Vertrauens, vier Meter Kabel und einen beim Abisolieren gequetschten Finger später stand der Prototyp meines Trimm-Notebook-Rads.

Die ersten Tests zeigten schnell, dass es klappte. Nach einer knappen Woche, in der das Mistding etliche Male wegen Energiemangel aufgrund fehlender Fitness abstürzte, hatte ich die nötige Kondition und die Technik raus, um zumindest eine Stunde am Stück zu arbeiten.
Zugegeben, so richtig mobil ist die Lösung auf den ersten Blick noch nicht. Mit ein wenig Fantasie und körperlichem Einsatz habe ich es aber immer hinbekommen, ich fahre schließlich einen Kombi. Und meine zunehmende Fitness und die neidischen Blicke derjenigen, deren Akku immer genau dann versagt, wenn sie fern jeder Steckdose im Stadtpark sitzen, sind mir den Aufwand wert.
Während ich gemütlich radelnd diese Zeilen schreibe, blitzt mich das Display in unregelmäßigen Abständen an. Es ist so, als würde mein Notebook mich fotografieren. Das BKA-Gesetz hat erst vor ein paar Stunden den Bundesrat passiert, ob das die erste Online-Durchsuchung ist? Wirkliche Anzeichen dafür kann ich allerdings nicht entdecken. Wahrscheinlich ist es viel banaler. Wenn jetzt auch noch das Display seinen Geist aufgibt, ist wohl auch meine Geduld am Ende. Dann haben entweder die Jungs von Webmasters on the Roof ein Einsehen, oder ich gehe den beschwerlichen Weg einer Investition in ein neues Gerät …
Oh, fast hätte ich vergessen, dass Marcus so gaaanz am Rande erwähnte, dass die Jury durchaus auch bestechlich wäre. Was kann ich in die Waagschale werfen? Die Playmates sind langfristig gebunden, meine PR9-Links habe ich anderen versprochen. Wie wäre es, wenn ich zum WOTR-Hörertreffen komme und euch beim Abreißen der Eintrittskarten helfe? Dann könnt ihr euch um die wichtigen Dinge kümmern. Ich habe an dem Abend eh nichts vor, da ich es versäumt habe, mich rechtzeitig anzumelden …